Nachdem wir am Abend des 23. um ca. 22 Uhr in West Chester losgefahren sind, lag eine gut zwölfstündige Autofahrt (750 Meilen bzw. 1200km) vor uns. Das Wetter spielte uns nicht gerade in die Karten und nach eine halben Stunde fing es an zu regnen. Da der Highway gestreut war, gefror der Regen zwar nicht auf der Strasse, wir bekamen jedoch ziemlich bald Probleme mit dem Scheibenwischer und der Windschutzscheibe, da das Wasser auf der Scheibe und dem Wischer festfror. Nach ca. zwei Stunden mussten wir daher einen ersten Stopp einlegen und das Auto von einer geschlossenen Eisdecke befreien. Selbst die Motorhaube war mit einer massiven Schicht bedeckt! Sowas hatte ich wirklich zuvor nicht erlebt…
Ansonsten sind wir aber ganz gut durchgekommen und erreichten Chicago so am späten Vormittag. Eigentlich wollten wir das Auto außerhalb der Stadt an einem Park&Ride abstellen, da wir aber keine Lust hatten, bei dem Schmuddelwetter unsere Koffer durch die Stadt zu schleppen, fuhren wir mit dem Auto zum Hotel am Lincoln Park und fanden dort auch direkt einen kostenlosen Parkplatz am Strassenrand. Da es zu früh zum Einchecken war, gaben wir unser Gepäck bei einem Portier ab, der es für uns den Tag über einlagerte.
Nach einem Frühstück in einem nahegelegenen Café ging es mit dem Bus dann in die Innenstadt, wo wir sogleich den Christkindlmarket ansteuerten, den größten Weihnachtsmarkt außerhalb Deutschlands. Im Gegensatz zu dem total enttäuschenden in Philadelphia war dieser wirklich sehr authentisch und auch ziemlich groß. Natürlich ließen wir es uns nicht entgehen und kauften uns jeder zwei Becher echten deutschen Glühwein. In guter Weihnachtsmarkttradition bekam man diesen in bedruckten Bechern serviert, die man auch gleich behalten durfte. Dort bekamen wir auch den Hinweis, dass man im örtlichen Macy’s den Glühwein doch auch flaschenweise beziehen könnte. In den kommenden Tagen sollten wir die mit Sicherheit größten Abnehmer dieses leckeren Getränkes werden…
Nach dem Weihnachtsmarkt ging es dann zum Millenium Park am Lake Michigan, in dem es mehrere moderne Skulpturen (u.a. “The Bean”) und Architekturen zu bestaunen gibt. Da wir mit den ganzen Weihnachtsmarktbechern und sechs Flaschen zuvor im Macy’s erstandenem Wein ganz gut beladen waren, verschoben wir das Eislaufen im dortigen Eislaufbahn auf den kommenden Tag. Todesmutig sagte ich den anderen zu, mich dann auch auf die schmalen Kufen zu wagen - das erste Mal in meinem ganzen Leben! Vom Millenium Park sind wir dann an der Waterfront entlang gelaufen, haben uns dabei mehrfach in irgendwelchen Sackgassen verirrt, fanden letztlich aber zum John Hancock Center, dem mit 457m achthöchsten Bauwerk der Welt und nach dem Sears Tower zweithöchsten der Stadt. Es gibt dort eine kostenpflichtige Aussichtsplattform, wir begaben uns aber lieber in die “Signature Lounge” im 96. Stockwerk, um dort bei beeindruckender Aussicht - der Himmel war mittlerweile aufgeklart - eine nicht mal sonderlich teure heiße Schokolade zu trinken.
Nachdem es dann dunkel war, machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel, um endlich einzuchecken. Das Belden-Stratford ist ein klassisches Appartmenthaus, in dem ca. 60 Wohneinheiten als Vier-Sterne-Hotel genutzt werden, direkt gegenüber des Chicago Zoo in einer sehr schönen Gegend am Lincoln Park gelegen. Da die Stadt nicht gerade berühmt für hohe Temperaturen im Winter ist (und ich zudem einen Spitzenrabatt im Internet gefunden hatte), konnten wir eine Präsidentensuite für weniger als $100 pro Nacht buchen. Aufgrund des Preises waren unsere Erwartungen an das Zimmer jedoch nicht sonderlich hoch. Was wir dann vorfanden, übertraf aber wirklich alle Vorstellungen: 75qm großes Eckappartment im sechsten Stock mit Ausblick auf Lincoln Park, Lake Michigan und die Skyline, zwei Schlafzimmer mit jeweils eigenem Bad (eines davon mit Whirlpool), zusätzliches Gäste-WC, Wäschekammer mit Waschmaschine und Trockner, voll ausgestattet Küche, Essbereich und großes Wohnzimmer mit zwei Sofas und einem Sessel!
Da wir also eine solch gemütliche Bleibe hatten und keiner mehr Lust auf einen außerhäusigen Restaurantbesuch hatte, holten wir uns vom nahen 7-Eleven Tiefkühlpizza, Eis, Chips und Bier und ließen einen anstrengenden Tag in entspannter Runde bei “I am Legend” ausklingen…
Mehr über Chicago dann in den kommenden Tagen. Bis dahin wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2009! Ich werde mich mit 15-20 anderen Praktikanten im China Club in der Nähe des Times Square feiern. Wenn ihr die sechs Stunden Zeitunterschied bedenkt, dürft ihr euch alle gerne bei mir melden: +1 610-864-7628.